Elternzeit berechnen: Wann beginnt die Elternzeit und wann endet sie?
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Elternzeit Dauer, Berechnung Elternzeit

Elternzeit Dauer: Wie Sie die Elternzeit richtig berechnen

Elternzeit berechnen: Falsche Berechnung der Elternzeit kann Sie den Job kosten

So ist es einer Mutter aus Hessen ergangen, die für Ihren am 13.07.2008 geborenen Sohn zwei Jahre Elternzeit beantragte. Als die Mutter am 13.07.2010 nicht wieder zur Arbeit erschien und auch auf eine Abmahnung des Arbeitgebers nicht reagierte, erhielt sie eine Kündigung vom Arbeitgeber. Die Mutter befand sich mit ihrem Mann im Ausland. Sie ging davon aus, dass sie erst am 09.09.2010 ihre Arbeit wieder aufnehmen müsse. Nach ihrem Verständnis schließe sich die zweijährige Elternzeit erst nach dem Ende der Mutterschutzfrist an.

Doch dieser fatale Irrtum kostete der Mutter den Job. Das Hessische Landesarbeitsgericht gab dem Arbeitgeber Recht. Die Klägerin war verpflichtet, bereits am 13.07.2010, also genau am 2. Geburtstag ihres Sohnes, wieder zur Arbeit zu erscheinen (LAG Hessen, Urteil v. 10.01.2012, 12 Sa 290/11).

Wie berechnet sich die Dauer der Elternzeit?

Der Anspruch auf Elternzeit besteht längstens bis zur Vollendung des 3. Lebensjahres eines Kindes.  Die Elternzeit endet daher spätestens mit Ablauf des Tages vor dem 3. Geburtstag Ihres Kindes.

Das ist tatsächlich keine gute Regelung, da Sie ausgerechnet an dem dritten (oder wenn Sie nur zwei Jahre beantragt haben, an dem zweiten) Geburtstag Ihres Kindes wieder zur Arbeit müssen. Es entspricht aber leider der gesetzlichen Fristberechnung.

Beispiel:
Ist Ihr Kind am 1. September geboren, so endet die Elternzeit am 31. August drei Jahre später. An dem 3. Geburtstag Ihres Kindes müssen Sie also wieder arbeiten gehen.

Mutterschutzfrist wird angerechnet

Wenn Sie die Elternzeit geltend machen, müssen Sie gleichzeitig erklären, für welche Zeiten innerhalb von zwei Jahren Elternzeit genommen werden soll (§ 16 Abs. 1 Satz 2 BEEG).

Für Sie als Mutter beginnt die Elternzeit wegen der achtwöchigen Mutterschutzfrist nach der Entbindung (bei Früh- oder Mehrlingsgeburten mindestens zwölf Wochen) erst nach Ablauf dieser Frist.

Allerdings regelt § 15 Abs. 2 Satz 3 BEEG, dass die Zeit der Mutterschutzfrist nach der Entbindung ( § 6 Abs. 1 MSchG) auf den Zeitraum der Elternzeit angerechnet wird. Das bedeutet, dass die zwei Jahre der Elternzeit ab dem Zeitpunkt der Geburt des Kindes zu rechnen sind.

Die Anrechnung kam auch in dem Fall zum Tragen; denn die Mutter hatte, ohne einen konkreten Zeitraum anzugeben, in ihrem Elternzeitantrag zwei Jahre Elternzeit unmittelbar im Anschluss an die Mutterschutzfrist verlangt. Das führt zwingend zur Anrechnung der Mutterschutzfrist auf die Elternzeit. Sie endete damit spätestens einen Tag vor dem 2. Geburtstag des Kindes.

Tipp

Geben Sie daher in Ihrem Elternzeitantrag besser einen Zeitraum mit genauem Anfangs- und Enddatum an. Sie sind nicht verpflichtet, zwei Jahre (also bis zum 2. Lebensjahr des Kindes) Elternzeit zu nehmen. Sie können auch einen Zeitraum von mehr oder weniger als zwei Jahren wählen (bis maximal zur Vollendung des 3. Geburtstages Ihres Kindes). Beachten Sie, dass Sie aber mit der ersten Geltendmachung an den Zeitraum gebunden sind. Eine Verlängerung oder Verkürzung der Elternzeit ist dann nur mit Zustimmung Ihres Arbeitgebers möglich.

 

Einen Musterantrag Elternzeit mit weiteren hilfreichen Erläuterungen finden Sie hier: Musterantrag Antrag auf Elternzeit.

Als Vater können Sie die Elternzeit unmittelbar ab der Geburt Ihres Kindes nehmen. Die Mutterschutzfrist müssen Sie nicht anrechnen lassen. Als Vater können Sie daher ebenfalls bis zum 3. Geburtstag Ihres Kindes Elternzeit beantragen.

Im Regelfall nehmen Eltern die Elternzeit während der ersten 3 Lebensjahre des Kindes. Das Gesetz eröffnet Ihnen aber auch die Möglichkeit, einen Anteil von bis zu 24 Monaten zwischen dem dritten Geburtstag und dem vollendeten 8. Lebensjahr des Kindes zu nehmen. Eine Zustimmung des Arbeitgebers ist hierfür nicht mehr erforderlich, wenn Ihr Kind nach dem 30.06.2015 geboren wurde.

Die drei Jahre Elternzeit kann jeder Elternteil jeweils für sich in Anspruch nehmen. Das heißt, sowohl die Mutter als auch der Vater können die Elternzeit entweder gemeinsam zur gleichen Zeit oder auch anteilig innerhalb der Höchstfrist nehmen.

Es kann durchaus eine überlegenswerte Variante sein, dass beide Elternteile gleichzeitig in Elternzeit gehen, um in den Genuss des besonderen Kündigungschutzes zu kommen, wenn die Gefahr einer Kündigung im Raume steht. Anstatt, dass der Vater die sonst üblichen 40 Stunden in der Woche ohne Kündigungsschutz und die Mutter während der Elternzeit in Teilzeit zu 20 Wochenstunden arbeitet, können auch beide jeweils in der Elternzeit 30 Stunden in der Woche arbeiten. Für beide gilt dann der besondere Kündigungsschutz während der Elternzeit.

SEBASTIAN TRABHARDT

Anwalt für Arbeitsrecht

Rechtsanwalt Trabhardt

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