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Zwischenzeugnis

Wann Sie ein Zwischenzeugnis verlangen können

Immer wenn Sie einen triftigen Grund haben oder zumindest eine sachliche Begründung geben, können Sie im bestehenden Arbeitsverhältnis ein Zwischenzeugnis verlangen. Einige Tarifverträge, wie z.B. der TVöD/TV-L (§ 35 Abs. 2), sehen einen solchen Anspruch auf ein Zwischenzeugnis ausdrücklich vor.

Ein triftiger Grund liegt insbesondere vor, wenn
Ihr Vorgesetzter wechselt (BAG, Urteil v. 1.10.1998, 6 AZR 176/71)
Sie innerhalb des Betriebes versetzt werden
betriebliche Umstrukturierungen anstehen und sich diese Vorgänge auf Ihr Arbeitsverhältnis auswirken
das Arbeitsverhältnis für längere Zeit unterbrochen wird, etwa wegen Elternzeit, Wehr- oder Zivildienst, Annahme eines politischen Mandats
Sie Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen besuchen wollen
Sie sich für eine neue Stelle bewerben wollen
Ihr Arbeitgeber Ihnen gekündigt hat oder die Beendigung des Arbeitsverhältnisses anstrebt (und das Arbeitsverhältnis noch einige Monate fortbesteht)
Sie das Zeugnis zur Vorlage bei Behörden und Gerichten oder bei einem Kreditantrag benötigen (BAG, Urteil v. 21.1.1993, BB 1993, 2309).

Das Zwischenzeugnis müssen Sie aber immer selbst beantragen. Von allein wird Ihr Arbeitgeber Ihnen das Zeugnis nicht erteilen.

Tipp
Nutzen Sie jede Gelegenheit, um ein Zwischenzeugnis geltend zu machen. Ein Zwischenzeugnis fällt meistens besser aus, als ein Endzeugnis. Denn im unbelasteten, bestehenden Arbeitsverhältnis will Ihr Arbeitgeber Sie halten und mit dem positiven Zeugnis motivieren. Erteilt Ihr Arbeitgeber später ein Endzeugnis ist er in der Regel an das erteilte Zwischenzeugnis gebunden (siehe Zeugnisberichtigung). Auch bei einer Kündigung des Arbeitsverhältnisses kann das Zwischenzeugnis eine Rolle spielen. Wenn Ihr Arbeitgeber Ihnen beispielsweise immer gute Leistungen bescheinigt hat, kann er Ihnen nicht auf einmal wegen schlechter Leistungen kündigen.

Wenn Sie aus dem bestehenden Arbeitsverhältnis einen neuen Job suchen, empfehle ich Ihnen, hierfür kein Zwischenzeugnis von Ihrem jetzigen Arbeitgeber zu verlangen. Sie würden damit nur schlafende Hunde wecken und womöglich das Arbeitsverhältnis unnötig belasten. Bei einer Bewerbung aus einem bestehenden Arbeitsverhältnis heraus, weiß der potentielle neue Arbeitgeber, dass Sie in der Regel kein aktuelles Arbeitszeugnis vorlegen können.

Sebastian Trabhardt

Sebastian Trabhardt

Anwalt für Arbeitsrecht bei TRABHARDT Rechtsanwalt, Hamburg
Ich unterstütze Sie als Fach- und Führungskraft bei beruflichen Herausforderungen und helfe Ihnen, in Veränderungsprozessen die richtigen Entscheidungen zu treffen sowie Krisen und Konflikte im Arbeitsverhältnis zu meistern. Damit Sie wieder ruhig schlafen und sich voll und ganz auf Ihre Karriere konzentrieren können. Ich freue mich, wenn Sie Kontakt zu mir aufnehmen.
Sebastian Trabhardt