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Geschäftsführer werden

Geschäftsführer werden – Chance oder Fallstrick?

Geschäftsführer Anstellungsvertrag prüfen lassen

Die Übernahme der Position des Geschäftsführers einer GmbH klingt verlockend. Sie bedeutet mehr Verantwortung, mehr Ansehen und Anerkennung und schließlich auch mehr Geld. Doch es sind auch die Risiken zu bedenken. Wenn Sie vom Angestellten zum Geschäftsführer „befördert“ werden, übernehmen Sie nicht nur viele neue Pflichten, sondern verlieren auch eine Reihe von Arbeitnehmerrechten.

Verlust des alten Arbeitsverhältnisses

Mit dem Abschluss des schriftlichen Geschäftsführervertrages endet Ihr bisheriges Arbeitsverhältnis automatisch, auch wenn Sie für die gleiche Gesellschaft oder für eine Tochtergesellschaft im Konzern Geschäftsführer werden. Eine Rückkehr in das alte Arbeitsverhältnis nach dem Ende Ihrer Geschäftsführerzeit ist nur möglich, wenn Sie dies im Geschäftsführer Anstellungsvertrag ausdrücklich regeln.

Als angestellter Geschäftsführer sind Sie kein Arbeitnehmer, sondern das gesetzliche Organ der GmbH. Sie vertreten die Gesellschaft und üben damit die Arbeitgeberfunktion aus. Da Sie aber gleichzeitig als Geschäftsführer bei der GmbH auch angestellt sind, nehmen Sie sozusagen eine „Zwitterstellung“ ein.

Zwischen der gesellschaftsrechtlichen Bestellung zum Geschäftsführer und dem Anstellungsverhältnis mit der GmbH ist sorgfältig zu trennen. Im Geschäftsführer-Anstellungsvertrag werden Ihre Rechte und Pflichten dieses Anstellungsverhältnisses näher geregelt. Da für Sie als Geschäftsführer die Arbeitnehmerschutzgesetze nicht gelten (z.B. zum Kündigungsschutz, Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall, Urlaub oder Schutz bei Betriebsübergang), ist es umso wichtiger, durch geschickte Vertragsgestaltung den Verlust der schützenden Arbeitnehmerrechte möglichst zu kompensieren.

Kein Kündigungsschutz

Als angestellter Geschäftsführer haben Sie keinen Kündigungsschutz. Die Gesellschaft kann Ihnen daher jederzeit auch ohne Grund das Anstellungsverhältnis ordentlich kündigen. Einen gewissen Schutz kann da eine möglichst lange Kündigungsfrist, etwa sechs Monate zum Ende eines Kalenderjahres, bieten. Wenn Sie keine Kündigungsfrist vereinbaren, gilt für Sie als angestellter Geschäftsführer die gesetzliche Kündigungsfrist wie für Arbeitnehmer.

Vorteilhafter wäre es, die ordentliche Kündigungsmöglichkeit für einen bestimmten Zeitraum, zum Beispiel für die ersten drei Jahre, ganz auszuschließen oder einen befristeten Geschäftsführer-Anstellungsvertrag für drei oder fünf Jahre abzuschließen. Der Geschäftsführervertrag kann dann nur bei Vorliegen eines wichtigen Grundes außerordentlich gekündigt werden.

Die Gesellschaft kann Sie zwar dennoch jederzeit als Geschäftsführer nach § 38 GmHG abberufen, sie muss Ihnen aber weiterhin das vereinbarte Geschäftsführergehalt für die Dauer des Anstellungsvertrages zahlen. Alternativ bietet sich auch die Vereinbarung einer Abfindung an, sollte die Gesellschaft den Geschäftsführervertrag kündigen. Schließlich ist es auch möglich, im Geschäftsführervertrag die Anwendbarkeit des Kündigungsschutzgesetzes zu vereinbaren (BGH, Urteil v. 10.05.2010, 2 ZR 70/09).

Ebenso können Sie vereinbaren, dass die Gesellschaft bei einer Beendigung des Geschäftsführervertrages Sie wieder als Arbeitnehmer in einer leitenden Funktion weiterbeschäftigen muss. Ohne eine ausdrückliche Vereinbarung haben Sie als Geschäftsführer nach einer Kündigung keinen Weiterbeschäftigungsanspruch. Selbst wenn Sie sich also gegen eine Kündigung vor Gericht wehren, können Sie sich nicht wieder in die Geschäftsführerposition einklagen, sondern allenfalls die ausstehenden Gehälter bis zum Ablauf der Kündigungsfrist einfordern.

Haftung des Geschäftsführers

Nach § 43 Abs. 1 GmbHG haben Sie als Geschäftsführer die „Sorgfalt eines ordentlichen Kaufmanns“ zu wahren. Hierunter ist allgemein die Pflicht zu verstehen, im Rahmen der Gesetze und unternehmenseigenen Regelungen die Unternehmensinteressen zu fördern und Schaden abzuwenden.

Während ein Arbeitnehmer für Schäden, die während der Ausübung seiner Tätigkeit entstehen, nur eingeschränkt oder gar nicht haftet, haften Sie als angestellter Geschäftsführer hingegen schon bei leichter Fahrlässigkeit gegenüber der Gesellschaft und Dritten mit Ihrem vollen Privatvermögen.

Daher ist es ratsam, im Geschäftsführer-Anstellungsvertrag die Haftung im Innenverhältnis zu beschränken. Eine Beschränkung der Außenhaftung ist nicht möglich. Allerdings kann die Gesellschaft Sie von bestimmten Ansprüchen Dritter im Innenverhältnis freistellen.

Zusätzlich sollten Sie darauf hinwirken, dass die Gesellschaft für Sie eine Manager-Haftpflichtversicherung (D&O-Versicherung) abschließt. Diese springt ein, wenn die Gesellschaft für Schäden in Anspruch genommen wird, die auf eine Pflichtverletzung von Ihnen als Geschäftsführer zurückzuführen ist. Sie schützt Sie aber auch vor einer Inanspruchnahme durch die eigene Gesellschaft.

Da es hier ganz unterschiedliche Tarife und Anbieter gibt, bestehen gute Verhandlungsspielräume mit den Versicherern. Schon vor Amtsantritt sollten Sie die Konditionen für die D&O-Versicherung für einen möglichst weitreichenden und individuellen Schutz aushandeln und im Geschäftsführervertrag festhalten.

Change of Control-Klausel

Nicht selten kommt es vor, dass die Gesellschafter der GmbH wechseln oder sich der Mutterkonzern entschließt, die Tochtergesellschaft zu verkaufen. Ihnen werden dann neue Gesellschafter vorgesetzt, mit denen Sie vielleicht menschlich nicht zusammen arbeiten können. Für diesen Fall räumt Ihnen die Change of Control-Klausel bestimmte Rechte ein, etwa die vorzeitige Beendigung des Anstellungsvertrages bei einem befristeten Vertrag, Anspruch auf eine Abfindung, Umwandlung des unbefristeten Anstellungsvertrages in ein befristetes Dienstverhältnis bei gleichzeitiger Freistellung oder die Rückkehr in das frühere Arbeitsverhältnis.

Rechtsberatung zum Geschäftsführervertrag und zur Bestellung zum Geschäftsführer


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